Christine Lutz

Es ist mir wichtig, dass sich die Schülerinnnen und Schüler hier wie zuhause fühlen, trotz all der Regeln, die notwendig sind, wenn so viele Menschen zusammen- leben.

Stv. Internatsleiterin seit: 2013
Fächer: Deutsch, Geographie

Wie gefällt Ihnen die Arbeit als stellvertretende Internatsleiterin?

Die Arbeit bereitet mir viel Freude, weil ich die Gelegenheit habe, die Kinder richtig kennenzulernen. So wollen wir auch eine freundliche Atmosphäre des Zusammenlebens schaffen. Das fordert einerseits heraus, ist aber andererseits auch sehr interessant.

Wie wurden Sie zur stellvertretenden Internatsleiterin?

Ich war zuerst die Vertretung meiner Vorgängerin. Diese kehrte jedoch nicht mehr an die Schule zurück und ich blieb als stellvertretende Internatsleiterin.

Was wollen Sie verändern bzw. was sind Ihre Ziele?

Mein Ansatz ist, davon auszugehen, dass das Internat ein Zuhause auf Zeit sein soll. Zwar dürfen die schulischen Leistungen nicht aus dem Blickfeld rücken, aber wir wollen nicht nur die strengen Erzieher sein, sondern auch ein Stück weit normal mit den Schülerinnen und Schülern leben, wie sie es aus Familie und Freundeskreis kennen. Allerdings denke ich, dass wir an der Verbesserung des Zusammenlebens unserer Internatsfamilie stetig arbeiten müssen, damit sich die Schülerinnen und Schüler im Internat wohlfühlen und auch die Erzieherinnen und Erzieher gerne dort sind.

Sie wechseln gewissermaßen während ihrer alltäglichen Arbeit zwischen Lehrerinnen- und Erzieherinnenrolle. Ist dieser Spagat zwischen Distanz und Nähe problematisch oder schwierig?

Ich habe mir lange Gedanken gemacht, wie ich mit dieser Diskrepanz umgehen soll. Man überlegt doch gerade als junge Lehrkraft sehr genau, wie viel Nähe der Schülerinnen und Schüler man zulassen darf. Letztendlich hat aber, man könnte es fast so bezeichnen, mein Herz, das für die Internatskinder schlägt, über den Verstand, die Bedenken gesiegt. Ich werde zwar immer die Lehrerin Frau Lutz bleiben, der man im Rahmen der Schule, v. a. im Unterricht, mit der entsprechenden Distanz begegnen muss, zumal ich hier auch bewerten und alle gleich behandeln muss und auch kann! Bin ich auf der anderen Seite aber im Internat, möchte ich für unsere Internatsschülerinnen und –schüler eine Bezugsperson sein, die sich für die Bedürfnisse ihrer Kinder interessiert, mit Rat und Tat zur Seite steht und sich für ihr Wohl einsetzt. Dann kommt es schon einmal vor, dass man eine Schülerin, die vom Heimweh geplagt ist, in den Arm nimmt, um sie zu trösten!

Können Sie uns ein Beispiel nennen, an dem man sieht, dass man von einer Internatsfamilie, wenn auch auf Zeit, sprechen kann?

Momente, die ich immer wieder genieße, sind zum Beispiel die Mahlzeiten, bei denen ich mich gerne an die Tische der Schülerinnen und Schüler setze. Ich fühle mich wohl, wenn wir gemeinsam zu Mittag essen und uns über unsere Erlebnisse austauschen können, über Fröhliches wie Trauriges, über den neusten Klatsch und Tratsch und ganz persönliche Momente. Und ich meine, dass auch den Internatsschülern diese Gespräche wichtig sind!

Was sehen Sie mittel- und langfristig als größte Herausforderungen bei ihrer Aufgabe?

Immer allen Parteien möglichst gerecht zu werden! Im Zentrum unseres Interesses müssen natürlich immer die Kinder stehen, für die das Internat nicht nur schulischer Lern- und Arbeitsort sein darf, sondern v. a.– wie ich schon zu Beginn des Gesprächs betont habe – ein Zuhause auf Zeit. Dabei müssen wir als Internatsleitung aber auch die Erwartungen und Überzeugungen der Eltern beachten und die Belange unserer Erzieher sowie der Lehrer, die im Internatsbereich eingesetzt sind, einbeziehen. Ich spüre, dass darin eine immense Herausforderung liegt, eine größtmögliche Zufriedenheit bei allen Mitgliedern unserer großen Internatsfamilie herzustellen!

Können Sie uns abschließend vielleicht eine lustige Episode, die sich während der Arbeit ereignet hat, erzählen?

Eine eigentlich einfache Frage, die aber schwierig wird, wenn man sich spontan an eine besonders lustige Situation erinnern soll. Vielleicht darf ich stattdessen von einem kleinen, für mich aber besonderen Erlebnis erzählen: Am Samstagabend unseres letzten Offenen Internatswochenendes im Herbst, als die Kinder am Nachmittag Kooperationsaufgaben gelöst und wir abends gemeinsam Pizza in einem speziellen, extra für diesen Abend organisierten Pizzaofen gebackten hatten, ließen einige Schüler den Tag bei einem Film im Fernsehraum ausklingen, andere hörten Musik in ihren Zimmern oder spielten mit ihren Handys. Da bemerkte ich eine kleine Gruppe von Internatskids, die mit zwei Gitarren am Boden im Mädchenstockwerk saßen und Lieder sangen, das von den „Kleinen Wölfen“ ist mir noch am besten in Erinnerung. Ist es nicht schön, wenn Jugendliche alle modernen Medien beiseitelegen und stattdessen lieber gemeinsam Musik machen, v. a. an einem Musischen Gymnasium?